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DEPS Musée du Quai Branly

Kulturwirtschaftstagung

Die Themen, Herausforderungen und Ziele der Kultur- und Kommunikationsbranche haben sich in den letzten Jahren erheblich verändert und machen eine Veränderung der öffentlichen Interventionsarten erforderlich. Die Ausweitung des Bereichs der Kulturwirtschaft ist mit mehreren Aspekten verbunden:

  • zunehmende Bedeutung der Wissens- und Informationswirtschaft, der immateriellen Wirtschaft und des Digitalsektors. Die Kulturwirtschaft diente als Labor zum Experimentieren von Ideen und Strategien wirtschaftlicher Akteure mit einer daraus resultierenden Verschiebung ihrer Grenzen;
  • künstlerische Kreativität im Dienste von Wertschöpfung auch außerhalb der traditionell als Kulturbranche bezeichneten Bereiche wie Design, Mode, Digitalservice etc. Kreativität ist mit Einbindung des Konsumenten als Produzenten in die Wertschöpfungskette im gesamten Dienstleistungssektor zu einem Wachstumsfaktor geworden;
  • Auswirkungen von Globalisierungserscheinungen, denen auch die Kulturwirtschaft nicht entgeht, ob sie sie als Bereicherung ansieht oder sich dagegen wehrt, und die mit einem wachsenden Austausch von kulturellen Gütern und Dienstleistungen, Kapitalverkehr und Kulturtourismus und dem Aufschwung von Netzen einhergehen.

Bei realer Bestätigung dieser Grenzverschiebungen der Kulturwirtschaft gilt es, die Grundlagen, Methoden, Herausforderungen, Ziel und Zweck dieses Wirtschaftszweigs zu überdenken und sogar seine Eigenständigkeit zu hinterfragen. Mit Anerkennung der Relevanz der zugrunde liegenden ökonomischen Mechanismen drängt es sich auf, für die Bereiche der immateriellen Wirtschaft allgemein ökonomische und sogar industrielle Methoden heranzuziehen, und die Reflektionen über die Besonderheiten und Grenzen der Kulturwirtschaft um den Begriff "kreative Industrien" fortzusetzen.

Die Mechanismen sowie die Fragen der Governance und Regulierung der Kulturwirtschaft in Europa sind an einem Scheideweg angelangt. Werden sie sich zu einem umfassenden "Kreativitätszweig" weiterentwickeln, der z. B. von künstlerischen Berufen über Design, Werbung, Videospiele bis zu Digitalserviceleistungen reicht oder werden, im Gegensatz dazu, die Besonderheiten der Kulturwirtschaft in einem allgemeineren Wirtschaftszweig – der immateriellen Wirtschaft – aufgehen?

Die Diskussion der Teilnehmer aus Forschung und Wirtschaft soll dazu beitragen, diese Fragen und Herausforderungen, mit denen sich alle EU-Mitgliedstaaten konfrontiert sehen, näher zu beleuchten und im Bereich der Kulturwirtschaftspolitik Handlungsvorschläge zu unterbreiten, die sich insbesondere an die Kulturbetriebe richten.